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 Typografie und Gestaltung

5.3 Tobias' kleines Typografielexikon

 

 


Okay, ich habe einige typografische Fachbegriffe benutzt, so dass ich es für besser halte, sie jetzt zu erklären.



Los geht's mit dem Typografischen Lexikon:


Expert-Zeichen
Bei Expert-Zeichen handelt es sich um Sonderzeichen, die nicht zum normalen Zeichenvorrat eines Fonts gehören. Sie liegen in einer eigenen Fontdatei vor und enthalten meistens zusätzliche Ligaturen, Bruch- und hochgestellte Ziffern usw. Leider sind Expert-Fonts bei billigeren Einsteigerpaketen sehr selten enthalten. Man erkennt sie -- wer hätte das gedacht -- am Zusatz »Expert« nach dem Fontnamen.
 
Hints
Die grobe Auflösung des Bildschirmrasters kann auch den schönsten Font entstellen, weil die (mathematisch beschriebenen) Umrisse der einzelnen Zeichen nicht genau genug umgesetzt werden können. Der Hersteller des Fonts kann dem entgegenwirken, indem er dem Font sog. Hinting Informationen (oder eben Hints) hinzufügt. Diese Informationen »sagen« dem Font, wie er in der niedrigen Auflösung des Monitors auf das Raster abgebildet wird.
Da das Anlegen von Hints eine zeitaufwendige Angelegenheit ist, verzichten viele Hersteller darauf -- und der Font sieht auf dem Monitor ziemlich dämlich aus.
 

Beispielgrafik  Links ein schlecht gehinteter, rechts ein gut gehinteter Font: Seht Ihr, wie eckig und fleckig das linke a wirkt -- und das, obwohl der Font eigentlich sehr schön ist, wenn man ihn ausdruckt.
 
Kapitälchen
auch: small caps
»Kleine Großbuchstaben«, die anstelle von Kleinbuchstaben verwendet werden. Man unterscheidet zwischen echten und falschen Kapitälchen.

 
Kerning
(hier: Pairkerning)
deutsch: Unterschneiden. Bestimmte Buchstabenpaare (typisch sind z.B. Te, To, Va, Wa...) müssen näher zusammenrücken, damit die Buchstabenabstände innerhalb eines Wortes optisch gleich groß wirken. Die Informationen darüber, welche Buchstabenpaare wie weit zusammenrücken, müssen in der Fontdatei (bei TrueType & Speedo-Fonts) oder in einer zugehörigen Font-Metric-Datei (Type-1) enthalten sein.
Ausnahmen:
1. Der Hersteller hat sich nicht einmal die nötigste Arbeit machen wollen, hat auf die Kerninginformationen verzichtet und sich dadurch als stil- und kulturloser Banause geoutet.
2. Man arbeitet mit Adobe Indesign -- dieses Programm berechnet wahlweise auch »optische« Buchstabenabstände. Ich habe leider keine Ahnung von der Qualität der Ergebnisse.
3. Man arbeitet mit Calamus und den dazugehörigen CFN-Fonts. Dieses Fontformat ist intelligenter als TrueType oder Type-1 und sorgt von ganz alleine für vernünftige Buchstabenabstände. Ganz nebenbei: Das klappte schon mehr als zehn Jahre vor Indesign. Ätsch.
Für ein gleichmäßiges Schriftbild ist ein vernünftiges Kerning unerläßlich, weshalb alle Programme, die Kerninginformationen missachten, auf dem Scheiterhaufen der Typografie verbrannt werden sollten.
 

Beispielgrafik
Oben ist Kerning ein-, unten ausgeschaltet. Das untere Beispiel sieht einfach gräßlich aus, nicht wahr?
Kurzanmerkung für Atarianer: Die (mangelhafte) Unterstützung von Kerning in diversen Fontformaten war einer der Hauptgründe, warum ich vor einigen Jahren meine altgediente Textverarbeitung That's Write verließ und zu papyrus gewechselt habe.
 
Track-Kerning
Neben dem Pair-Kerning gibt es noch das Track-Kerning. Dabei handelt es sich um Informationen über die Grundlaufweite eines Fonts: Idealerweise sollten die Buchtabenabstände einer Schrift in kleineren Graden (also z.B. 8 Punkt) größer sein, während sie in in größeren Graden (also z.B. 20 Punkt) enger beieinander stehen sollten. Das Track-Kerning sorgt dafür, dass das auch so gemacht wird.
 
Track-Kerning-Informationen habe ich bisher nur in Bitstream-Fonts finden können. Mir ist nicht bekannt, warum andere Hersteller darauf verzichten.
[s.
unten]  Eine Frage an Euch
 
Ligatur
Zwei Buchstaben, die zu einem Zeichen »verschmolzen« sind. Daraus resultiert eine schönere, weil gleichmäßigere Darstellung. Typische Buchstabenpaare für Ligaturen sind z.B. fi, fl, ff.
 

Beispielgrafik
Hier sehen wir einge Ligaturen (oben) im Vergleich mit den jeweiligen Buchstabenpaaren (unten).
 
Mediävalziffern
Im Gegensatz zu den Tabellen-, Versal- oder Normalziffern, mit denen die meisten Fonts ausgestattet sind, haben Mediävalziffern Ober- und Unterlängen sowie unterschiedliche Breiten.
 

Beispielgrafik
Ein Vergleich von Mediäval- vs. Normalziffern. Der Unterschied dürfte klar sein.
 
Schnitt (Einzelschnitt, Schriftschnitt)
Weil Gerd Castan das in seinem Text More Joy of GDOS so schön erklärt hat, zitiere ich ihn hier einfach mal (leicht abgewandelt):
»Was ist der Unterschied zwischen einem Font und einem Schnitt (englisch: face)? Ruft man einen Fontselektor auf, sieht man beispielsweise Times Roman, Times Italic, Times Bold, Times Bold Italic. In diesem Fall haben wir 4 Schnitte, die zusammen einen Font bilden.«
 
Font-Format und -Darstellung
Zur Erklärung dieser beiden Begriffe zitiere ich noch einmal aus Gerd Castans More Joy of GDOS geklaut habe (Änderungen von mir sind durch [eckige Klammern] gekennzeichnet):
 
Der Begriff »Format« wird im Zusammenhang mit Fonts doppelt verwendet, was doch etwas zu Konfusionen führt.
 
Einerseits unterscheidet man beispielsweise das TrueType-Format vom Type1-Format (und anderen). Gleichzeitig unterscheidet man bei beiden noch einmal zwischen dem Macintosh-Format und dem Windows-Format (und anderen).
 
Um diese Verwirrung aufzulösen, definiere ich für [diese Website]:
 
  • Um zwischen TrueType, Type 1, Speedo... zu unterscheiden, verwenden wir weiterhin den Begriff Format
  • Um zwischen den Dateiformaten zu unterscheiden, verwenden wir den Begriff Darstellung (engl: Representation). Dieser Begriff wird in Mathematik und Physik verwendet, wenn Gruppen zwar unterschiedlich aussehen, sich aber trotzdem samt Struktur bijektiv aufeinander abbilden lassen

Dann lässt sich auch der etwas verwirrende Umstand [erklären], dass es das TrueType 1.0-Format (für Macintoshs) und das TrueType für Windows-Format sowohl in der Macintosh- als auch in der Windows-Darstellung gibt:
[a] Macintosh TrueType-Format in der Macintosh-Darstellung,
[b] Macintosh TrueType-Format in der Windows-Darstellung,
[c] TrueType für Windows-Format in der Macintosh-Darstellung,
[d] TrueType für Windows-Format in der Windows-Darstellung.
 

Soweit Gerd Castan. Innerhalb dieser Website spreche ich nur von den Typen [a] und [d]; die Typen [b] und [c] sind mir noch nicht untergekommen -- und wenn doch, dann habe ich es nicht gemerkt...
Und um es klarzustellen: Die Typen [a] und [c] lassen sich beide nur auf Macs installieren; ihr Unterschied liegt im unterschiedlichen internen Aufbau. Gleiches gilt entsprechend für Typ [b] und [d], die nur für DOS/Windows-Rechner gedacht sind (und sich somit auch auf Ataris und Clones installieren lassen).
 


So, aber was ist denn nun ein »Fontformat«? Ein bißchen vereinfacht ausgedrückt, ist das Format die »Sprache«, in der der Computer beschreibt, wie eine Schrift auszusehen hat.
 
Unterschiedliche Formate kennt man auch von Textverarbeitungen oder Grafikprogrammen. Ein Text, der einmal als MS-Word-Dokument und einmal als RTF gesichert wurde, liegt in zwei Formaten vor. Trotzdem handelt es sich noch um den gleichen Text: Beide Versionen sehen im Ausdruck gleich aus (zumindest sollten sie das).
Ein Bild, das einmal als GIF und einmal als BMP gesichert wurde, liegt in zwei Formaten vor. Trotzdem handelt es sich noch um das gleiche Bild: Beide Versionen sehen immer noch gleich aus (wenn man von den unterschiedlichen Möglichkeiten der beiden Formate abstrahiert).
 
Genauso ist es bei Fonts: Ein Font, der sowohl im TrueType, als auch im Type1-Format vorliegt, sieht in beiden Versionen gleich aus -- zumindest im Ausdruck und soweit es der Privatanwender nachvollziehen kann. Zum Aussehen auf dem Monitor kommen wir noch, und über die Unterschiede im professionellen High-End-Bereich brauchen wir nicht zu reden.
(Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Fontdesigner Mist gebaut hat und sich TrueType- und Type1-Version ganz ofensichtlich unterscheiden, aber so ein Font ist mir bisher noch nicht untergekommen.)
 
Weibkohl
Scherzwort, das auf den Abenteuern des Rastermans beruht: Der Buchstabe ß ist ein Kleinbuchstabe, der in Versalwörtern (= Wörter, die komplett in Großbuchstaben gesetzt sind) immer durch SS ersetzt werden muss.
Wenn man das nicht macht, schreibt man statt WEISSKOHL WEIßKOHL, was ein bisschen wie »WEIBKOHL« aussieht.
Rasterman ist eine Comicfigur, deren Erlebnisse man früher in der Zeitschrift invers, heute in der Publishing Praxis verfolgen kann.
 


Hier warte ich auf Eure Hilfe:
Die
Große Frage Warum werden so wenige Fonts mit Track-Kerning ausgestattet? In der Fachliteratur habe ich nur den Hinweis gefunden, dass Track-Kerning »in der Praxis kaum eine Rolle spielt«. Aber warum ist das so?

 

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