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 Typografie und Gestaltung

5.1 Der Typochonder

 

 


Ich gebe es zu: Ich bin ein Typochonder.
Äh, wie bitte?

Also, ein Typochonder ist ein geradezu krankhafter Freund der guten Typografie. Nun wäre es zwar eigentlich wünscheswert, dass noch mehr Menschen auf gute Typografie achten. Aber man kann es auch übertreiben. Und das tue ich.

Ich kann kein Buch in die Hand nehmen und es in Ruhe lesen, ohne dass ich zuvor die Typografie analysiert habe: Welche Schrift(en) wird/werden verwendet? Werden Ligaturen benutzt? Wird sauber gekernt? Stehen Schriftgröße, Zeilenlänge und Zeilenabstand in einem harmonisches Verhältnis zueinander? Sind die Seitenränder in Ordnung?

Noch mehr Freude macht das aber bei den Druck-Erzeugnissen anderer Computeranwender. Die meisten haben ja überhaupt keine Ahnung von guter Typografie. So eine computer-erstellte Einladung oder Glückwunschkarte ist eine Fundgrube schwerster typografischer und gestalterischer Verfehlungen: Da werden ein paar schäbige Clip-Arts völlig planlos auf die Seite geworfen. Mindestens sieben verschiedene Schriftarten, zwei davon sind natürlich Times und Arial, drei weitere in Extra Bold Italic gesetzt. Und die Überschrift tanzt natürlich auf einem wellenförmigen Pfad herum.

Kurz: Sämtliche Regeln der guten typografischen Geschmacks werden mit den Füßen getreten. Der »Layouter« hat sie zerfetzt, verbrannt und auf ihrem Grab getanzt. Ein Kulturbanause forderster Front.

Jetzt fragt Ihr Euch wahrscheinlich, was ich eigentlich für ein Arschloch bin. Da will mir einer eine Freude machen, indem er mir eine selbstverbrochene Glückwunschkarte überreicht, und ich stelle ihn als einen typografischen Terroristen dar.

Kann sein. Aber ich sage Euch: Als Typochonder hat man es auch nicht einfach. Hat man zuvor simple Briefe einfach runtergetippt und ausgedruckt, so kann die Fertigstellung eines derartigen Dokumentes schon mal länger dauern: Hat man auch wirklich eine gute Schrift gewählt? Stehen die Seitenränder auch in harmonischen Verhältnissen zueinander? Hoppla, da unten findet sich ja noch eine ganz grausame Trennung, die müssen wir erstmal eliminieren; aber dadurch ändert sich der ganze Zeilenumbruch und eine neue Seite wird angehängt...

Ganz zu schweigen davon, dass man -- wie oben bereits gesagt -- kein einziges Buch/Magazin mehr in Ruhe lesen kann, bis man herausgefunden hat, welche Schrift(en) verwendet werden. Und dann erfreut man seine Mitmenschen mit so informativen Aussagen wie: »Die haben die Bembo als Brotschrift, mit Zwischenüberschriften in der Bell Gothic und Artikelüberschriften in der Syntax; allerdings arbeiten die weder mit Kerning, noch mit Ligaturen...« Beliebt ist auch, wenn man im Auto auf dem Beifahrersitz sitzt und den Fahrer mit einen plötzlichen Aufschrei erschreckt: »DA!!! Auf dem Plakat! Das ist die Meta, eine meiner Lieblingsschriften!«

Man macht sich ziemlich unbeliebt. Wer will schon das ganze typografische Geschwafel, das Gemeckere über irgendwelche Druckerzeugnisse hören? Das kümmert den Typochonder nicht, er macht fröhlich weiter. Einige ganz durchgeknallte Vertreter dieser Gattung gehen sogar soweit, dass sie ihre typografischen Ansichten und Tipps ins Internet setzen.

Pech gehabt: Genau das werdet Ihr hier lesen.


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