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 Typografie und Gestaltung

5.4 Type1-Fonts auf dem Atari

 

 


Vorbemerkung Nr. 1: Hier geht es nur um PostScript-Type1-Fonts, die mit Hilfe von NVDI in das Atari-System eingebunden werden. SpeedoGDOS wird nicht berücksichtigt: Erstens habe ich das nicht, zweitens ist es sowieso ein Witz gegen NVDI. Nicht-Atarianer werden sich in diesem Kapitel ohnehin nur langweilen.

Vorbemerkung Nr. 2: Ich kann's nicht ändern, hier wird's ein klein bisschen kompliziert, das liegt an der Materie. Ich empfehle diesen Abschnitt also nur den Atarianern, die mit Type1-Fonts unter NVDI arbeiten (wollen) und Probleme vermeiden möchten.


Folgende Themen werden auf dieser Seite behandelt:
[s. unten] Einleitende Worte
[s. unten] Qualität auf Bildschirm und Drucker
[s. unten] Kerningpaare, afm-Dateien und NVDI.FIF
[s. unten] Mac-Type1-Fonts, MagiCMac und NVDI




Einleitende Worte

Zunächst müssen aber ein paar grundsätzliche Dinge über Type1-Fonts gesagt werden, damit der Rest verständlich ist.

Erstmal erinnere ich daran, dass es auch Type1-Fonts in zwei sog. »Darstellungen« gibt: 1. Für Macintosh; 2. für Windows. Besitzer von Original-Ataris oder Clones sowie Emulatoren auf WinPCs benötigen die Windows-Darstellung; der MagiCMac-Atarianer kann sich für eine entscheiden -- Fonts in der Mac-Darstellung werden in der MacOS-Umgebung installiert, Fonts in der Windows-Darstellung finden ihr zuhause in der MagiC-Umgebung.

Desweiteren ist es wichtig zu wissen, dass ein Type1-Font stets aus zwei Dateien besteht -- zumindest sollte er das, wenn man ihn vernünftig benutzen will: Da gibt es zum einen die eigentliche Fontdatei mit dem Suffix .pfb, also z.B. SYNTAX.PFB. Dazu gehört immer eine gleichnamige Datei mit dem Suffix .afm ODER .pfm -- das ist die sog. Fontmetrik-Datei, sie enthält u.a. die für guten Drucksatz unerläßlichen Kerninginformationen. Mehr über das Verhältnis von Fontdatei und Fontmetrikdatei erfahrt Ihr unten.

Hallo MagiCMac-User: Prinzipiell braucht Ihr für die im MacOS installierten Type1-Fonts keine Fontmetrikdatei -- hier sind die benötigten Informationen bereits im Resourcefork der Fontdatei enthalten. Das gilt aber nur für die Verwendung dieser Fonts in Mac-Programmen; für Atari-Programme braucht Ihr sie trotzdem. Auch hier verweise ich auf die genaueren Informationen weiter unten.



So, nun geht's aber los:
Bei der Verwendung von Type1-Fonts auf dem Atari und mit Hilfe von NVDI 5 (bzw. NVDI 4 plus Type1-Modul) muss man einige Punkte beachten, die man leider nicht in der Anleitung nachlesen kann. Schade, das hätte mit jede Menge Tests und einige Briefe an die NVDI-Hersteller Behne & Behne erspart.

Aber da ich nun mal viel rumgetestet habe, und da ich auf die Briefe stets eine schnelle, ausführliche und kompetente Antwort bekommen habe -- fetten Dank dafür nochmal an die Behne-Brüder --, möchte ich Euch hier meine Erkenntnisse mitteilen.

Wohlgemerkt: Einiges davon habe ich selbst ausgetestet. Das bedeutet, dass ich die Testergebnisse möglicherweise falsch interpretiert habe, oder dass unter anderen Systemkonfigurationen andere Ergebnisse auftreten könnten. Über entsprechende Rückmeldungen Eurerseits würde ich mich also freuen.



Qualität der Ausgabe auf Bildschirm und Drucker

Prinzipiell verfügen TrueType-Fonts über mächtigere Hints als Type1-Fonts. Das muss sich in der Praxis aber nicht unbedingt bemerkbar machen. Ich habe beispielsweise folgende Beobachtungen machen können:

  • Fonts der Firma Bitstream: Ich hatte den gleichen Font einmal als TrueType, einmal als Type1 installiert. Auf dem Bildschirm sah die TrueType-Version deutlich besser aus. Im Ausdruck konnte ich hingegen sogar mit der Lupe keinen Unterschied ausmachen -- egal, ob ich in 300 oder 600 dpi gedruckt habe.
     
  • Fonts der Firma Softmaker: Ich hatte den gleichen Font einmal als TrueType, einmal als Type1 installiert. Auf dem Bildschirm sah die TrueType-Version einfach grauenhaft, die Type1-Version hingegen recht erträglich aus. Auch im Ausdruck mit 300 dpi war die Type1-Version noch überlegen; erst mit 600 dpi habe ich keinen Unterschied mehr gesehen.
     

Schlussfolgerung: Die Qualität der Ausgabe auf Bildschirm und Drucker ist nur bedingt vom Fontformat abhängig. Viel entscheidender ist, was der Hersteller aus den Möglichkeiten eines Fontformats macht.

Aus dieser Sicht verwundert allerdings nicht, dass die Softmaker-Fonts deutlich billiger waren als die Bitstream-Schriften. Meine Empfehlung lautet also: Wenn Euch ein Font in beiden Formaten vorliegt (wie das bei vielen Schriften-CDs der Fall ist), lohnt es sich durchaus, testweise beide Versionen zu installieren (aber nicht gleichzeitig, das gibt Konflikte) und sie sich auf dem Bildschirm und im Ausdruck genau anzusehen: Nur so könnte Ihr feststellen, welches Format in welchen Situationen besser aussieht.



Kerningpaare, afm-Dateien und NVDI.FIF

Ich gehöre zu den -- wie ich gehört habe -- wenigen NVDI-Anwendern, die Type1-Fonts nicht erst seit der Version 5 nutzen bzw. benutzen können. Nein, ich habe ich das bei NVDI 4 noch notwendige Type1-Modul gekauft, weil ich auch dieses Fontformat nutzen wollte (typisch Typochonder eben).

Ihr könnt Euch mein blödes Gesicht vorstellen, als ich die ersten Type1-Fonts installierte und keine Spur von Kerning sah: Dafür habe ich Kohle über den Tresen wandern lassen?  ;-)

Aber es war ein Fehler meinerseits. Man muss allerdings auch sagen, dass das NVDI-Handbuch nicht gerade umfangreich ist. Es ist sozusagen eher äußerst knapp gehalten. Glücklicherweise haben die NVDI-Autoren Behne & Behne auf meine Anfragen ausführlich und geduldig geantwortet, so dass ich etwas Licht in die Sache bringen konnte.

Also, wie oben zu lesen ist, sind die Kerninginformationen bei Type1-Fonts in den afm-Dateien enthalten. An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, wie NVDI vorgeht.

Nehmen wir mal an, Ihr habt einen neuen Font namens Carmina in Euren Fontordner kopiert. (Carmina dient deshalb als Beispiel, weil ich diese Schrift gerade heute installiert habe...) Beim nächsten Systemstart checkt NVDI die vorhandenen Fonts: »Oh«, ruft NVDI, »da ist ja ein neuer Font! Carmina heißt er. Gibt es denn Kerninginformationen für diese Schrift? Oh ja, da sind sie ja. Dann schaue ich mir mal an, welche Kerningpaare denn definiert werden und speichere diese Information in der Datei NVDI.FIF
(NVDI.FIF liegt übrigens im Fontverzeichnis -- aus historischen Gründen bei Atarianern meistens C:\BTFONTS\.)

Beim nächsten Start hingegen sagt NVDI nur: »Ah, da ist ja die Carmina. Kenn' ich schon. Die Kerninginformationen kenn' ich auch schon. Muss ich nicht mehr genauer durchchecken.«

Okay, was folgt aus dieser Vorgehensweise? Sehen wir uns an, was der dumme Tobias gemacht hat: Er hat Type1-Fonts installiert, allerdings nur die Fontdatei -- nicht die dazugehörige afm-Datei. Was macht NVDI? Es sagt: »Oh, da ist ja ein neuer Font! Carmina heißt er. Leider ohne Kerningpaaare. Das merke ich mir.« Und es sichert die NVDI.FIF.

»Hoppla«, ruft Tobias, »da habe ich doch glatt vergessen, die zugehörige afm-Datei ebenfalls zu installieren!« Das holt er ganz schnell nach. Aber nach dem nächsten Systemstart stellt er fest: Die Carmina wird immer noch nicht gekernt. Was ist passiert?

Ganz einfach -- NVDI hat gesagt: »Ah, da ist ja die Carmina. Kenn' ich schon. Die hat keine Kerningpaare. Muss ich nicht mehr genauer durchchecken.«

Die Lösung des Problems:
Man muß die NVDI.FIF löschen und das System neu starten. Nun wird NVDI erneut alle Fonts nach Kerninginformationen durchsuchen und eine neue NVDI.FIF mit den nun verfügbaren Informationen sichern. Das kann übrigens ein wenig dauern.

Ausgehend von meinen Tests kann ich ziemlich sicher behaupten, dass sich NVDI nicht nur merkt, dass Kerninginformationen gefunden wurden, sondern auch welche Kerningpaare vorliegen. Wenn man also in der afm-Datei rumgepfuscht hat, um die Kerninginformationen zu ändern, muss man anschließend die NVDI.FIF neu aufbauen lassen, damit die Änderungen aktiv werden können.



Mac-Type1-Fonts, MagiCMac und NVDI

Wer mittels MagiCMac ein Atari-System auf dem Mac einrichtet, kann sich freuen: Er kann TrueType- und Type1-Fonts nicht nur (wie auf echten Ataris und Clones) in der Windows-Darstellung, sondern auch in der Mac-Darstellung verwenden. Windows-Fonts werden auf der Atari-Seite, Mac-Fonts auf der MacOS-Seite im »Zeichensätze«-Ordner installiert. Das bringt ein paar Hürden mit sich. Wie man damit fertig wird, erfahrt Ihr an dieser Stelle.

Problem Nr. 1: Die Fonts werden nicht gekernt
Wie Ihr oben lesen konntet, sind die Kerningpaare von Mac-Type1-Fonts im Resource-Fork der Datei gespeichert. NVDI kann offensichtlich nicht auf den Resource-Fork zugreifen, denn es benötigt die afm-Dateien, um Kerninginformationen auslesen zu können. Das kann zu einem Problem werden: Da die meisten Mac-Programmen ja keine afm-Dateien brauchen, werden sie bei Mac-Fonts i.d.R. auch nicht mitgeliefert. So war es bei mir, als ich ein paar Fonts beim FontShop geordert hatte (ist übrigens eine gute Adresse für sehr schöne, sehr professionelle und sehr teure Fonts).

Es war aber kein Problem, die Mac-afm-Dateien nachträglich gratis zu beziehen. Diesen Service bietet ja wohl hoffentlich jeder Fonthersteller. Wer den fraglichen Font raubkopiert hat, guckt dann natürlich berechtigterweise in die Röhre.

Dennoch gab es ein weiteres Problem: Leider hat der FontShop vergessen, für einen Font des Paketes die afm-Datei auf die Diskette zu kopieren (damals hatte ich noch kein Modem). Da ich aber keine Lust hatte, extra deswegen noch einmal anzurufen und noch ein paar Tage auf die Diskette zu warten, habe ich mir die afm-Datei selbst zusammengebastelt: Als Grundlage dafür dienten a) eine der zugesandten Mac-afm-Dateien; und b) die PC-afm-Datei des fraglichen Fonts (die ich auf der FontShop-»FontFont-CD-ROM« gefunden habe).

Das ist natürlich keine ganz »saubere« Methode, und möglicherweise sind die Kerningpaare bei diesem Font nicht ganz ideal. Aber ich habe nie etwas negatives bemerkt, also was soll's...

Die
Große Frage Jetzt noch eine Frage an Euch dort draußen: Arbeitet jemand auf Mac oder PC mit dem Fonteditor Fontographer? Kann ich damit die afm-Datei eines vorhandenen Mac-Type1-Fonts erzeugen?



Problem Nr. 2: Die Fonts werden immer noch nicht gekernt
Ein weiter, wichtiger Punkt: Ganz offensichtlich müssen die afm-Dateien (abgesehen von der Endung) den gleichen Namen haben wie die zugehörige Fontdatei. So hieß bei mir eine Fontdatei ScalaIta, die afm-Datei aber ScalaItalic.afm. Die Folge war, dass NVDI keine Kerninginformationen gefunden hat. Die Lösung war also ganz einfach: Ich habe die afm-Datei in ScalaIta.afm umbenannt; dafür gesorgt, daß die NVDI.FIF neu aufgebaut wird -- und schon hatte ich eine sauber gekernte Scala Italic.



Problem Nr. 3: Verflucht -- IMMER NOCH KEIN KERNING!
Dann habt Ihr wohl vergessen, zwischendurch noch einmal die NVDI.FIF neu aufbauen zu lassen. Weiter oben könnt Ihr [s. oben] genaueres darüber lesen.



Problem Nr. 4: Was quatscht der die ganze Zeit vom Kerning der Mac-Fonts -- ich kann die Mac-Type1-Fonts überhaupt nicht unter MagiCMac nutzen!

Wenn die auf der Mac-Seite installierten Fonts in Atari-Programmen nicht genutzt werden können, gibt es eigentlich nur ein paar mögliche Ursachen:

  1. Falsche NVDI-Version? Man braucht mind. NVDI 5. Oder aber NVDI 4 plus Type1-Modul.
  2. Im NVDI-Kontrollfeld »Fonts & Caches« ist der Checkbutton »Mac-Fonts« nicht aktiviert. Lösung: Button aktivieren, Einstellungen sichern, MagiCMac neu starten.
  3. Die Fonts liegen auf der Mac-Seite nicht da, wo NVDI sie sucht: Sie müssen direkt im »Zeichensätze«-Ordner, der wiederum im Systemordner liegt, abgelegt sein. Die Fonts werden nicht geladen, wenn sie in einem Unterverzeichnis des »Zeichensätze«-Ordners liegen.
    Die Fonts werden nicht geladen, wenn sie ein Tool wie der Adobe Type Manager in irgendeinen anderen Ordner gelegt hat.
  4. Ihr benutzt ein Programm, dass NVDI-Fonts überhaupt nicht oder nur fehlerhaft unterstützt. Aber so'n Schrott benutzt hoffentlich keiner mehr...

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