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3.4.1 Videorecorder mit On-Screen-Display

 

 


... oder: Nachruf auf einen guten Freund

»Ein toller Videorecorder«, verspricht die Werbung und der Verkäufer des Elektronikmarktes, »Echt gut! Hat On-Screen-Display (OSD) und eine übersichtliche Fernbedienung, deshalb total einfach zu programmieren.«

Und sowas halten die Anbieter dann für gute Argumente, die den Kunden zum Kauf verführen sollen.

Zu mir könnten sie genauso gut sagen: »Wenn Sie diesen Videorecorder kaufen, bekommen sie ein Tütchen gekochte Scheisse gratis dazu!« -- »Oh toll, den nehm' ich!«

Jetzt ernsthaft: Ich hasse OSD! Ich verfluche den Tag, als mein guter alter Philips VR647 das Zeitliche segnete. Der hatte nämlich kein OSD, wodurch man ihn wunderbar einfach und schnell(!) programmieren konnte.

Vermutlich stimmt es sogar: Mit OSD kann jeder Idiot einen Videorecorder programmieren. Aber erstens bin ich kein Idiot. Und zweitens käme sogar jeder Idiot, der sich nur einmal die (gut geschriebene) Bedienungsanleitung des VR647 durchgelesen hätte, auch ohne OSD klar.

(Nun gut, vielleicht bedeutet das ja, dass ich doch ein Idiot bin, aber wenigstens ein Idiot, der Bedienungsanleitungen liest.)

So, jetzt will ich aber auch endlich verraten, was mir an OSD so missfällt: Für jede blöde Aktion -- sei es nun programmieren oder das Umschalten zwischen LongPlay und ShortPlay, das Einstellen des Soundkanals bei Filmen mit Zweikanalton oder sonst irgendetwas -- muss man das OSD aufrufen und sich durch siebenundvierzig verschiedene Menüs hangeln, bis man endlich die gewünschte Aktion vornehmen kann. Das nennt sich dann einfach.

Beim Philips VR647 habe ich das auf Knopfdruck erledigt. Ohne das Aufrufen eines Menüs. Alles ließ sich mit der Fernbedienung und dem eingebauten Display des Videorecorders regeln.

Der Wert einer solchen Einrichtung macht sich u.a. bemerkbar, wenn man eine Familie hat: Programmiert doch mal einen Recorder mit OSD, während der Vater die Tagesschau oder die Mutter Derrick guckt, wenn die kleine Schwester sich am neuen CITA-Video erfreut oder der Ehemann beim Finale der Champions League oder die Ehefrau bei Emergency Room mitfiebert; oder am allerschlimmsten: Wenn die Kinder die umwerfenden Erlebnisse der Teletubbies verfolgen.

Dann kommt Ihr hereingestürmt, weil in wenigen Minuten eine der wenigen wirklich wichtigen Sendungen der Welt beginnt, und unterbrecht den Fernsehgenuss damit, dass Ihr das dämliche On-Screen-Display aufruft. Was dann schon programmiert ist, ist nicht die Aufnahme, sondern der herrlichste Familienkrach.

Doch selbst Singles oder jene Zeitgenossen, deren schönstes Erlebnis am Tag sowieso das Martern der Familie ist, müssen nicht unbedingt Freude am OSD finden: In meinen Augen ist es schon vorteilhaft genug, dass man für ein schnelles Programmieren nicht einmal den Fernseher einschalten muss.


Mit dem OSD einher geht das nächste Übel unserer technisierten Zivilisation: »Übersichtliche« Fernbedienungen. Die Stiftung Warentest findet so einen Schrott auch noch lobenswert (zB. in test 11/99). Klar, dass ich nur fünf Tasten brauche, wenn ich für jeden Piss das OSD aufrufen muss. Aber dann muss ich -- siehe oben -- eben etliche Menüs durcharbeiten, anstatt mal eben eine einzige Taste zu drücken.

Jetzt sagt vielleicht der Eine oder Andere: »Jaaa, wenn der VR647 'ne verständliche Anleitung hatte, ist das ja schön. Aber das haben viele Geräte nun einmal nicht, und da bin ich froh über ein leicht verständliches OSD.«
Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Da hätten sich die Hersteller eben mal auf ihren Arsch setzen und vernünftige Anleitungen schreiben müssen, aber sich nicht so'n Mist wie OSD ausdenken. Kohle genug verdienen sie ja durch uns.

Und noch einmal meldet sich die Stimme des Lesers: »Ja, wenn Du was gegen OSD hast, dann kauf Dir verdammtnochmal eben einen Videorecorder ohne OSD und mit einer Monsterfernbedienung!«

Ja, was glaubt Ihr, was ich gerne tun würde???

Das Problem ist: Findet mal einen solchen! Als der VR647 platt war, habe ich einen gesucht. Ich wurde nur bei S-VHS-Recordern der 800 - 1000-DM-Klasse fündig, und soviel Geld hatte ich nun mal nicht (armer Student und so). Und wenn ich mal genug Geld habe, und mir einen derartigen Videorecorder zulegen will: Ich bin sicher, dann sind alle Recorder der Welt nur noch mit OSD zu bedienen.

Obwohl -- wahrscheinlich stimmt das nicht. Bis dahin ist bestimmt die nächste Stufe der idiotischen Produktentwicklung gezündet: Videorecorder haben dann einen USB-Anschluss und müssen per Computer programmiert werden. Die zugehörige Software läuft natürlich nur unter Windows; und Hersteller sowie Verkäufer können dann davon schwärmen, wie einfach das zu bedienen ist: Einfach das aktuelle Programm aus dem Internet runterladen (der Gebührenzähler tickt), die gewünschte Sendung anklicken, und fertig! Das Ganze muss man auch nur dreimal wiederholen, weil der Browser abgeschmiert ist.

Ich freue mich auf die Zukunft!



Fernbedienung f¨r Recorder ohne OSD P.S.: Der Philips VR647 war, obwohl 1995 gekauft, sogar Jahr-2000-geeignet. Für Windows 98 lagen noch 1999 Y2K-Bugfixes zum Download bereit.
Bill Gates ist reicher als der Philips-Boss.
Vielleicht sollte man doch mal versuchen, diversen Produkten ein Tütchen gekochte Scheisse beizulegen? Scheint erfolgversprechend zu sein.

P.P.S.: Rechts seht Ihr die Fernbedienung des Philips VR647. Vierundvierzig Knöpfe, teilweise doppelt belegt. Eine eigenes kleines Display.
Liebe Leute von der Stiftung Warentest: So sieht eine vernünftige Fernbedienung aus.

P.P.S.: Ich arbeite nicht bei oder für Philips. Ich bekomme kein Geld von ihnen. Ich bin auch nicht auf Philips-Produkte fixiert.
Aber der VR647 war ein verdammt gutes Teil.
Requiestat in pace!

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