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3.2.1 Die Nachmittagstalkshows

 

 


[Warnung]

Ich bin für ein Nachmittagstalkshow-Gesetz: Es sollte verboten werden, zwischen 10 und 20 Uhr etwas anderes zu senden als Nachmittagstalkshows! (Okay, das wären dann natürlich auch Vormittags-, Mittags- und Frühabendtalkshows; aber mittlerweile hat sich »Nachmittagstalkshow« ja als Genrebezeichnung etabliert.)

Denn deutlicher als in Birte Karalus, Arabella, Bärbel Schläfer, Andreas Türck und wie sie alle heißen, können die Schwächen unserer Gesellschaft kaum gezeigt werden. Und das bringt natürlich auch Hoffnung für die Zukunft mit sich:

Aus dem Chaos erwächst die Veränderung, aus der Veränderung erwächst das Wachstum.
(Oder war die Reihenfolge irgendwie anders? Das ist ein schlaues Zitat von irgendwoher, ich kann mich nur nicht mehr erinnern, woher ich das habe und wie der genaue Wortlaut ist. Klingt aber ziemlich bedeutsam, oder? Wer die Quelle dieses Zitats kennt, sollte sich mal bei mir melden, damit auch ich genaueres erfahre.)

Nun, wenn das stimmt, können wir frohgemut in die Zukunft schauen: Deutlicher als in den Nachmittagstalkshows kann uns kaum vor Augen geführt werden, dass unsere gesellschaftlich-geistig-intellektuellen Zustände höchstgradig chaotisch sind. Also steht uns die Veränderung bevor, und aus dieser erwächst das (gesellschaftlich-geistig-intellektuelle) Wachstum.

Was ich damit meine, dass »unsere gesellschaftlich-geistig-intellektuellen Zustände höchstgradig chaotisch sind«? Ganz einfach: Eine Gesellschaft, die derartige Phänome wie Nachmittagstalkshows hervorbringt, kann nur... wie soll ich es ausdrücken... kann nur ziemlich DUMM sein.

Da sitzen dann eine Handvoll Leute und jammern den Fernsehzuschauern ihre Probleme vor oder brüllen sich gegenseitig an oder versöhnen sich oder machen Heiratsanträge. Letzteres ist besonders praktisch, denn dann kann man ein Jahr später noch mal in der gleichen Talkshow auftreten und seine Scheidungsabsichten verkünden -- was niemanden erstaunt, denn wenn jemand mit 18 heiratet, liegt der Verdacht nahe, dass die Entscheidung wohl etwas übereilt getroffen wurde.

Vor allem frage ich mich: Wieso brauchen die Leute für jeden Scheiss die Unterstützung einer Fernsehsendung? Da sitzt das eigentlich sehr süße 16jährige Mädel und verkündet herzzereissend weinend, dass ihr Freund fremdgegangen ist. Anstatt ihm ordentlich in den Arsch zu treten und sich einen vernünftigen Kerl auszusuchen, rennt sie in die Nachmittagstalkshow, weil sie hofft, auf diesen Wege noch eine Versöhnung herbeizuführen: »Aber ich liebe ihn doch trotz allem noch immer!«

Wenn sie sich schon mit ihm aussprechen will, wieso tut sie es dann nicht zuhause? Wenn sie schon in eine Talkshow geht, wieso sagt der/die Moderator(in) nicht: »Hör mal, Mädel, Du bist 16 und siehst toll aus; Du wirst noch viele und viel bessere Freunde haben; und in einem halben Jahr denkst Du keine Sekunde mehr an diesen Spinner«??

Nein, der/die Moderator(in) sagt: »Wollen wir mal sehen, was Dein Freund dazu sagt -- hier ist er!« Und der Freund sagt: »Booaaahhr ja, tut mir ja leid irgendwie, ich happse ja aunoch lieb.« Und dann freut sich das Mädel; und das Publikum -- es klatscht und johlt! Eine aufgesetzte Versöhnung vor der Kamera scheint das Zweitwichtigste auf der Welt zu sein (zum Wichtigsten kommen wir noch). Warum verhält sich das Publikum nicht vernünftig und hält das arme Mädchen davon ab, sich erneut ins Unglück zu stürzen? Warum stehen sie nicht Schlange, um dem Kerl ordentlich eins auf sein verlogenes Maul zu hauen?

Die zweite Möglichkeit ist, dass der Freund reinkommt und sagt: »Booaaahhr nee, ich will mit der alten Schlampe nix mehr zu tun ham, waa sowieso ne Nulpe im Bett.« Und der/die Moderator(in) sagt: »Uuuuh, das ist aber böse jetzt«, und der Kerl wird ausgepfiffen und das Mädel hat eine traumatische Erfahrungen mehr auf ihrem psychischen Konto. Egal, morgen wird ja eine neue dort sitzen.



Das Wichtigste auf der Welt aber ist: Heiraten! Ooooohhh, da ist der/die Moderator(in) und das Publikum aber gerüüüührt, selbst wenn im vorhergehenden Gespräch klar wurde, dass die beiden sich nicht die Bohne verstehen. Nach der Hochzeit wird's schon klappen, die Liebe kommt ja bekanntlich sowieso erst mit der Ehe. Hauptsache, wir hatten wieder eine rüüüührende zuckersüße Heiratsantragsszene. Denn das ist doch das Schönste, nicht wahr, wenn zwei Leute den Bund für's Leben oder zumindest für's nächste halbe Jahr eingehen.

Aber die Leute scheinen's ja zu gucken, sonst wäre das Programm nicht voll von diesem unerträglichen Mist...


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