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3.2.5 Scharfe Mädels = Böse Mädels

 

 


Ist euch schon mal aufgefallen, dass scharfe Mädels (also Mädchen/Frauen, die sehr erotische Kleidung tragen) in US-amerikanischen Filmen und Serien grundsätzlich böse sind??
Die lieben Mädels hingegen ziehen sich immer ganz brav an...

Na gut, da muss man ein wenig differenzieren. Da gibt es einerseits die Mädels in Serien und anderseits die Mädels in Filmen.



Mädels in Serien
Die lieben Mädels in US-Serien wie Beverly Hills oder Charmed tragen ja auch schon oft recht erotische Kleidung -- aber eben nicht so richtig scharfe: Ein fast durchsichtiges T-Shirt, aber eben nur ein T-Shirt -- das kann immer noch ein »gutes« Mädel sein.
Ein knappes Minikleid, aber mit Blümchen verziert -- auch das ist immer noch im grünen Bereich.

Aber ein schwarzes oder rotes Minikleid, dazu deutlich geschminkte Lippen, halterlose Strümpfe und Fuck-me-Pumps? -- Ein böses Mädel!
Diese junge Dame wird unweigerlich im Verlauf der Sendung Leute hintergehen, umbringen oder sonst etwas unangenehmes anstellen!

Ein sehr schönes Beispiel für diese merkwürdige Auffassung von Gut und Böse findet sich in einer Folge der ansonsten sehr von mir geschätzten Serie Charmed: Kaum ist Phoebe Halliwell alias Alyssa Milano von einem bösen Geiste besessen, tritt sie in so scharfer Kleidung auf, dass sich der durchschnittlich-triebhafte Mann in gefährlicher Nähe eines Hormonschocks wähnt...



Mädels in Filmen
In US-Filmen wird dieses Spielchen noch ein wenig weiter getrieben: Alle Mädels, die in irgendeiner Weise erotisch gekleidet sind, sind böse. Die guten Mädels tragen samt und sonders brave Klamotten.

Die bösen Mädels mutieren im Verlaufe des Films zu guten Mädels und ziehen sich dann auch brav an (»Jawbreaker / Der zuckersüße Tod« und tausend andere Filme), oder sie erhalten die gerechte Strafe für ihre Bosheit (also ihre sexuelle Attraktivität), indem sie grausam niedergemeuchelt werden (»Scream«, und tausend andere Filme).


Eine spezielle Untergruppe der bösen Mädels sind die »Außenseiter«: Diese kleiden sich zwar nicht erotisch, aber anderweitig auffällig, nämlich punkig bis gruftig; darüber hinaus haben sie natürlich keine Freunde. Die Mädchen dieser Gruppe werden immer zu lieben Mädels: Am Schluß haben sie Freunde und ziehen sich brav an. Das hat schon der »Breakfast Club« vor schier unendlicher Zeit vorgemacht und zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch alle amerikanischen Filme, selbst wenn sie so unterschiedlich sind wie »Beetlejuice« und »Faculty«.




Naja, was soll man auch von den Amis anderes erwarten?
Eine Gesellschaft, in der es durchaus akzeptabel erscheint, dass man einen Autoknacker in Selbstjustiz über den Haufen ballert, aber ein Ehepaar zu ruinösen Geldstrafen verknackt wird, weil sie im Garten Sex hatten, was von Nachbarblagen beobachtet werden konnte? Der Nachbar, der das Ganze auf Video gefilmt hat -- selbstverständlich nur zu Beweiszwecken, höhö -- wird nicht mal als Spanner verdächtigt...
Ein Land, in dem die Frauen auf dem Cover des Playboy ein Bikinioberteil tragen müssen?



Was will ich mit diesem Kapitel eigentlich sagen?
Eigentlich nur, dass die Amis ein völlig gestörtes Verhältnis zur Sexualtät haben, dass sie sexuell-selbstbewusste Frauen fürchten wie der Teufel das Weihwasser, und dass sie nicht damit aufhören, diese Weltanschauung auch noch an ihre Jugend weiter zu reichen...
Ganz nebenbei erreichen die Vorstellungen auch noch unsere Jugend, und plötzlich keimt in mir ein gewisser Verdacht auf -- das versteht aber nur derjenige, der sich das letzte Kapitel aufmerksam durchgelesen hat.




Nachtrag:
Das obige Kapitel ist schon etwas älter. Mittlerweile (Herbst 2001) habe ich »American Pie« gesehen -- nein, nicht Teil 2 im Kino, sondern Teil 1 auf Premiere World --, und da ist mir noch was aufgefallen:

Shannon Elizabeth spielt in diesem Film eine sexhungrige, sexbereite Schülerin -- also absolut »un-brav« nach US-amerikanischer Definition.
Wen wundert's, dass sie Nadja heißt und nicht nicht etwa Amerikanerin, sondern Tschechin ist?

Damit ist sie nicht direkt böse, aber Europäerin und hat somit eine gewisse »Narrenfreiheit«, gehört sie doch nicht dem sauberen US-amerikanischen Volk an. Darüber hinaus bekommt auch sie natürlich die Strafe für ihr schmutziges Verhalten: Sie muss die USA verlassen. Ein Exodus aus God's Own Country, dem Land of the Free -- das kommt ja der Verstoßung aus dem Paradies verdammt nahe.

Denken vermutlich zumindest die Amis.


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